eupinions Trends / Demokratiezufriedenheit im Land
Wie zufrieden sind Sie mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Ihrem Land funktioniert?
Zufrieden (sehr + eher zufrieden).
Daten zur Demokratiezufriedenheit
in Deutschland und der EU
Daniela Schmidt, Florian Bochert
– mit diesem Appell rief Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Grundsatzrede vom 28.10.2022 dazu auf, etwas für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft zu tun. Er warb dafür, den Dialog zu fördern und den Blick auf gemeinsame Werte statt auf das Trennende zu richten. Und wie ließe sich dieses Anliegen besser mit Leben füllen als durch ehrenamtliches Engagement?
In Deutschland üben derzeit rund 27 Millionen Menschen oder 36,7 % der Bevölkerung ab 14 Jahren ein Ehrenamt aus (Fritzsche et al. 2025) und gehören damit zum „Motor der Demokratie“ (Staatsministerin für Sport und Ehrenamt 2025). Sie bringen sich ein, im Kleinen wie im Großen – in der Nachbarschaft, in Städten und Gemeinden, landesweit oder sogar international.
Zahlreiche Studien bestätigen die Wichtigkeit ehrenamtlichen Engagements als wertvollen Beitrag für das Gemeinwohl, denn eine starke Demokratie braucht eine engagierte Gesellschaft, die sie aktiv mitgestaltet.
Doch was denken die Menschen in Deutschland, in anderen EU-Mitgliedstaaten oder der Europäischen Union insgesamt über das Land, in dem sie leben? Hierzu präsentiert eupinions, die unabhängige Plattform für europäische Meinungsforschung der Bertelsmann Stiftung, ihre Umfragedaten auf dem Bürgerfest.
Wir haben folgende Fragen gestellt:
1. Wie zufrieden sind Sie mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Ihrem Land funktioniert?
2. Wenn Sie an Ihr Land im Allgemeinen denken, würden Sie sagen, dass sich die Dinge derzeit in die richtige Richtung entwickeln?
Die Ergebnisse zeigen wir hier.
Da beide Fragen zu unseren eupinions Trends gehören, die wir seit zehn Jahren regelmäßig mehrmals pro Jahr stellen, können wir sowohl auf aktuelle Daten (Juni 2026) schauen als auch auf Veränderungen der öffentlichen Meinung im Laufe der Zeit (2015 bzw. 2016 – 2026).
Die Gesamtbevölkerung der Europäischen Union ist recht zwiegespalten in der Einschätzung ihrer Demokratie: 51 % sind zufrieden mit ihrem Land, 49 % nicht. Deutschland liegt mit 58 % (18 % sehr, 40 % eher zufrieden) vs. 42 % (25 % eher, 17 % sehr unzufrieden) weit über diesem Durchschnitt. Noch positiver gestimmt sind lediglich die Menschen in den Niederlanden (64 vs. 36 %) und in Portugal (63 vs. 37 %), am negativsten eingestellt ist man in Frankreich (40 vs. 60 %).
Hierzulande sind Männer etwas zufriedener mit ihrer Demokratie als Frauen, was der EU-Tendenz folgt. Mit Blick auf den Wohnort wird deutlich, dass Menschen zufriedener sind, je städtischer sie wohnen. Dies trifft sowohl auf Deutschland als auch auf die EU insgesamt zu. Interessant ist auch der Vergleich in den Altersgruppen: In Deutschland ist die Zufriedenheit mit der eigenen Demokratie jeweils bei der jüngsten und ältesten befragten Bevölkerungsgruppe am stärksten ausgeprägt (jeweils 60 % der 18- bis 25-Jährigen und 56- bis 69-Jährigen). Ähnliches ist im Hinblick auf die gesamte Europäischen Union zu beobachten: Menschen bis 35 sind besonders zufrieden (18-25 Jahre: 56 %, 26-35 Jahre: 54 %), gefolgt von der höchsten Altersgruppe (56-69 Jahre: 52 %).
Insgesamt auffällig bei der EU-weiten Stimmungslage bleibt die durch alle Untergruppen (Geschlecht, Wohnort und Alter) stabile Menge der sehr Unzufriedenen – sie nimmt im Durchschnitt ungefähr ein Viertel der Befragten ein.
Wie zufrieden sind Sie mit der Art und Weise, wie die Demokratie in Ihrem Land funktioniert?
Zufrieden (sehr + eher zufrieden).
Betrachtet man die Veränderungen der öffentlichen Meinung im Laufe der Zeit, so zeigt sich Deutschland im Vergleich zur EU über die gesamten zehn Jahre als durchweg positiver eingestellt. Kein einziges Mal sinkt die Zufriedenheit der Deutschen auf den Unionswert herab, von zwei (03/2024) bis zu 18 Prozentpunkte (03/2017) Unterschied sind auszumachen. Aktuell geht die Tendenz hierzulande nach einer längeren Phase auf gleichbleibendem Niveau (ca. 55 %, von 09/2023 bis 12/2024) wieder etwas aufwärts. Nach einem kurzzeitigen Anstieg im Dezember 2025 mit 63 % liegt sie zu beiden Befragungszeitpunkten in diesem Jahr bei 58 %.
Eine Umfrage der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt (Hoffmann et al. 2025) legt nahe, dass Ehrenamtliche, die sich dauerhaft für das Gemeinwohl engagieren, deutlich zufriedener mit der Demokratie in ihrem Land sind. Ihre aktive Teilhabe, ihre Gestaltungsmöglichkeiten und das daraus erwachsende Gefühl der Selbstwirksamkeit würden somit nicht nur der Gesellschaft helfen, sondern auch mit einer positiveren Wahrnehmung des politischen Systems einhergehen.
Daher werden wir das Publikum auf dem Bürgerfest nach seiner Einschätzung befragen. Das Ergebnis unserer zwei kleinen, nicht repräsentativen Erhebungen an den beiden Festtagen werden wir alsbald hier präsentieren. Am ersten Tag sind rund 2.500 Ehrenamtler:innen eingeladen als Dank für ihr Engagement, an Tag zwei wird das Fest für alle Bürger:innen geöffnet.
Die Frage danach, ob sich die Dinge im eigenen Land in die richtige Richtung entwickeln, verneinen die Europäer:innen im Juni 2026 übereinstimmend mit großer Mehrheit - EU-weit 65 %. Die Menschen in Polen (55 %) und Portugal (60 %) sind im Vergleich am wenigsten pessimistisch, die in Frankreich am meisten (73 %). Die Einstellung der deutschen Bevölkerung entspricht mit 65 % exakt dem EU-Durchschnitt.
Auch bei dieser Frage setzen sich die bereits aufgezeigten Trends fort: Hierzulande sind Männer etwas optimistischer als Frauen (37 vs. 33 %), was mit der EU-Tendenz übereinstimmt. Während Stadt- und Landbevölkerung in Deutschland ungefähr gleichauf liegen (2 Prozentpunkte Differenz), zeigen die Menschen EU-weit in Großstädten deutlich mehr Zustimmung als diejenigen im ländlichen Raum (38 vs. 30 %). Vergleicht man die Einstellung der Altersgruppen, so fällt auf, dass in Deutschland die jungen Leute (18- bis 25-Jährige) sowie diejenigen im mittleren Alter (36-45 Jahre) mit 42 bzw. 38 % am ehesten positiv auf das aktuelle Geschehen blicken. In der Europäischen Union insgesamt gilt dies vornehmlich für die beiden jüngsten Altersgruppen (43 bzw. 39 %). Die Älteren zeigen sich tendenziell kritischer: von den 56- bis 69-Jährigen Deutschen sehen nur 32 % die richtige Richtung anvisiert. Der zugehörige Durchschnittwert in der EU liegt mit 33 % fast gleich.
Wenn Sie an Ihr Land im Allgemeinen denken, würden Sie sagen, dass sich die Dinge derzeit in die richtige Richtung entwickeln?
Ja, die Dinge entwickeln sich in die richtige Richtung.
Ein genauerer Blick auf die Veränderung der Antworten über die letzten zehn Jahre offenbart zwei Dinge: Zum einen die Negativität, die sich durchweg manifestiert; nur ganz vereinzelt überwiegt die Zustimmung zu aktuellen Entwicklungen. Zum anderen zeigen sich im Zeitverlauf recht große Schwankungen; der EU-Wert weist eine Spanne von 24-41 % bei den Zustimmungswerten auf, Deutschland mit 23-59 % sogar noch eine größere. Ende 2024 befanden sich beide wieder auf einem relativen Tiefpunkt (DE 25 %, EU 27 %), seitdem ist eine klare positive Tendenz erkennbar. Im Juni 2026 billigten 35% sowohl in Deutschland als auch in der EU die derzeitigen Entwicklungen.
Fritzsche, A., Leven, I., Rysina, A., Schneekloth, U., & Wolfert, S. (2025). Freiwilliges Engagement in Deutschland. Staatsministerin für Sport und Ehrenamt im Bundeskanzleramt. https://www.bundestag.de/resource/blob/1127166/251213_sechster_freiwilligensurvey.pdf
Hoffmann, H., Schachler, V., Schlicht, J., Brähler, E. & Decker, O. (2025). Engagement und politische Einstellungen: Herausforderungen und Perspektiven in einer sich wandelnden Gesellschaft. (DSEE Arbeitspapier 1: Neues aus der Engagementforschung). Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt. https://www.deutsche-stiftung-engagement-und-ehrenamt.de/studienergebnisse/politische-einstellungen-im-engagement/
Staatsministerin für Sport und Ehrenamt. (2025). Ehrenamt – Motor der Demokratie. Die Bundesregierung. https://www.bundesregierung.de/breg-de/bundesregierung/bundeskanzleramt/startseite-staatsministerin-fuer-sport-und-ehrenamt/ehrenamt-motor-der-demokratie-2432274
eupinions ist eine unabhängige Plattform für europäische öffentliche Meinung. Wir erheben, analysieren und kommentieren Einstellungen der europäischen Öffentlichkeit zu politischen Themen und Megatrends.
Vier Mal jährlich befragen wir über 12.000 europäische Bürger:innen in allen 27 EU-Staaten in 22 Sprachen. Die gewonnenen Erkenntnisse sind repräsentativ mit Blick auf Alter, Geschlecht, Bildung und Land/Region.
eupinions ist ein Projekt der Bertelsmann Stiftung. Die Daten werden in Zusammenarbeit mit Nira Data erhoben.
Besuchen Sie unsere Website http://eupinions.eu für weitere Informationen!
eupinions arbeitet mit einer Vielzahl von europäischen Partnern zusammen. Diese Daten wurden auf dem Bürgerfest den Bundespräsidenten 2026 präsentiert.
Die aktuellsten in diesem Bericht analysierten Stichproben wurden im Juni 2026 von Nira Data (ehemals Latana und Dalia Research) in allen 27 Mitgliedstaaten der Europäischen Union erhoben (EU: n=16.795). Die Stichproben bilden die aktuelle Bevölkerungsverteilung hinsichtlich Alter (18–69 Jahre), Geschlecht, Bildungsniveau und Wohnort (Großstadt, Stadt bzw. Vorort oder ländlicher Raum) ab. Um repräsentative Ergebnisse zu gewährleisten, wurden die Daten anhand der aktuellsten Eurostat-Statistiken gewichtet.
Alle Hinweise auf Unterschiede zwischen den Ländern in diesem Bericht beschränken sich auf acht Staaten mit ausreichend großen Stichproben: Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, die Niederlande, Polen, Portugal und Spanien.
Der geschätzte Gesamtdesign-Effekt der endgültigen europäischen Gewichtung beträgt 2,03. Unter Berücksichtigung dieses Design-Effekts beläuft sich die effektive Fehlermarge für EU-weite Schätzungen auf ±1,0 Prozentpunkte bei einem Konfidenzniveau von 95 %. Die Fehlermargen auf Länderebene variieren entsprechend der effektiven Stichprobengröße des jeweiligen Landes.